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Erfolg für Kunstverein Nordhorn Presse Verein 

Erfolg für Kunstverein Nordhorn

Andreas Meistermann | Redakteur | 48527 Nordhorn

 

Große Resonanz auf Hinrich van Hülsen-Ausstellung

Trotz einer einjährigen Pause ist der Kunstverein Nordhorn nicht in Vergessenheit geraten. Über 50 Personen kamen vor Kurzem zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken des Osnabrücker Künstlers Hinrich van Hülsen. Neuer Ausstellungsort nach der Pause ist das Immobilienbüro Von Poll an der Bentheimer Straße 9 in Nordhorn. Sowohl der Betreiber des Nordhorner Büros, Georg Pauling,  als auch die Firma Von Poll mit Sitz in Frankfurt haben sich schon lange der Kunstförderung verschrieben. Georg Pauling ist in diesem Zusammenhang vielen Grafschaftern noch als Herausgeber des Kunstmagazins Akt bekannt.

Wie der erste Vorsitzende des Kunstvereins Nordhorn, Gerald Nierste, in seiner Begrüßungsrede zur Ausstellung erläuterte, gibt es beim Werk von Hinrich van Hülsen skurreale Welten zu entdecken. Dahinter, so Nierste weiter, verbergen sich zwei Begriffe: Surrealismus und skurril. Hinter dem Begriff Surrealismus steht eine Künstlerbewegung, die nach dem Ersten Weltkrieg entstand und sich nicht der äußeren Realität zuwendet, sondern  dem Überwirklichen, dem Unbewußten und dem geheimnisvollen Reich der Träume. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf Siegmund Freund und seine Entdeckung der Bedeutung des Unbewußten für das menschliche Denken und handeln. Mit unterschiedlichen Stilmitteln fügen sie in ihren Werken Dinge in einer Weise zusammen, die nicht der sichtbaren Ordnung entsprechen.

Skurriliät hingegen bezeichnet eine auffallend unkonventionelle oder seltsame Idee, Situation, Sache oder Verhaltensweise.

Aus der Verbindung der beiden genannten Begriffe entstehen in Hinrich van Hülsens Werk bizarre, exzentrische, verschrobene oder absonderliche und in jedem Fall überraschende Bilder, bei denen die Elemente Tier, Mensch und Natur in immer neue und überraschende Beziehungen gesetzt werden.

Beispielhaft dafür stehen drei Bilder der Ausstellung. Nierste wählte in seiner Rede das Motiv „scratch my neck“ als ersten Beleg dafür, wie Hinrich van Hülsen arbeitet.

Zu sehen ist eins Nashorn mit Hemd, Krawatte und Jacket. Mensch und Tier gehen hier eine Verbindung ein. Der menschlichen Anatomie nachempfunden sind Haare, das Ohr und das Auge, dem  eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das Auge ist ein Wahrnehmungsorgan sinnlicher und geistiger Art.  In van Hülsens Bild fixiert das nashornartige Wesen den Betrachter. Es schaut wissend, distanziert und auch ein wenig verschmitzt in die Welt. In dieser Kombination zwischen Tier und Mensch zeigt sich eine andere Sichtweise. Welche bleibt dem Leser überlassen.

Ein weiteres Werk mit dem rätselhaften Titel „Ist das dein Tee in der Küche?“ wirft ebenfalls Fragen auf, sowohl in Bezug auf das Motiv als auch auf den Titel. Das Bild besteht aus einer Mehrzahl von Elementen. In einem Turm befindet sich in einer fensterähnlichen Öffnung eine Frau mit verschränkten Armen. Am Fuße des Turmes befindet sich eine tierähnliche Gestalt in einem Umhang. Das dritte Element ist ein loderndes Feuer. Auf den ersten Blick passen die Bildelemente nicht zueinander. Die verschränkten Arme der Frau zeigen jedenfalls keine Aktivität oder Regung, die bei dem bedrohlich wirkenden Feuer zu erwarten ist. Passiv ist auch das tierähnliche Wesen, das interessiert zuschaut, aber ebenfalls regungslos verbleibt.

Bezugnehmend auf das Feuer ist festzustellen, dass es von unterschiedlichen Bedeutungen begleitet wird. Die Bandbreite reicht von erleuchtend, reinigend und  erneuernd bis hin zu verzehrend und vernichtend.

Als Betrachter wird einem wohl der Begriff Alptraum einfallen. Festzuhalten ist, dass das Bild befremdlich, skurril und surreal zugleich wirkt. Dennoch bleibt das ganz große Aber, weil der harmlose Titel nicht zum Bild passt.

Als drittes Beispiel soll hier „Die Rückkehr des roten Raben“ genannt werden. Zu sehen sind in altmeisterlicher Darstellung eine Kirche, Bäume und ein Kirchhof im Hintergrund. Davor wird ein Mensch-Vogelwesen in einem Mantel präsentiert. Auffällig ist, dass das Wesen sich nicht in das Bild einfügt, sondern als ein Fremdkörper erscheint. Handelt es sich hier wirklich um einen Fremdkörper? Der Rabe gilt als Unheilsverkünder und als Todesbote. Diese Kennzeichnung steht neben seiner Eigenschaft als Bote Gottes, wenn er laut Bibel dem Propheten Elia in der Wüste Brot und Fleisch bringt. In der Figur des Raben liegt also bereits ein Widerspruch in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Bedeutung. Und im Bild? Es gibt mit dem abgebildeten Friedhof einen Hinweis auf seine Bedeutung. Zulässig erscheint hier, dass der Rabe als Todesbote verstanden werden kann. Verstörend bleibt, dass der symbolträchtige Rabe beziehungslos vor dem Hintergrundmotiv steht.

Die Ausstellung ist bis Anfang Dezember zu den üblichen Bürozeiten des Immobilienbüros Von Poll geöffnet.

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