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Die Ästhetik von Räumen und Dingen

Ein Blick auf das Werk von Dorothea Schüle

Das Schöne in der Malerei ist selten geworden. Das Schöne wird als oberflächlich abgekanzelt und es kommt sofort der kritische Einwand, dass es keine klare Bestimmung darüber gibt, was als schön zu empfinden ist. Es liegt im Auge des Betrachters, heißt es. Aber stimmt das wirklich? Ein Blick in die Kunst-, Mode- und Filmwelt zeigt, dass es immer noch zentrale Strukturen dessen gibt, was als schön empfunden wird. Bei Gesichtern ist es ein gewisses Ebenmaß, was den Betrachter anspricht, bei Farben unter anderem ein bestimmter Ton und die passende Zusammenstellung auf einem Gemälde, und bei Gegenständen und Körpern die stimmigen Proportionen. Bei der Frage, ob die Mona Lisa von Leonardo da Vinci oder ein kubistisches Frauenporträt von Pablo Picasso als schön empfunden wird, werden sich die Meisten für die Mona Lisa entscheiden. Allein die Besucherresonanz zeigt es.

Eine Malerin, die auch den Sinn für das Schöne hat, ist die in Düsseldorf lebende Dorothea Schüle. Mit kraftvollen Farben und Anklängen an die impressionistische und expressionistische Kunst malt sie Räume, Gegenstände und Stillleben, Themen, die heute kaum noch eine Rolle spielen und sogar als überholt belächelt werden. Doch davon lässt sich Dorothea Schüle nicht beirren. In ihren Bildern finden sich Glanz, Exklusivität und Glamour. Festzustellen ist eine unbändige Lust zu schauen und den Dingen nahezukommen.

Auf den zweiten Blick wird aber auch eine andere Ebene sichtbar. Nachdem Dorothea Schüle unter dem Stichwort „Aus dem Dickicht der guten Stuben“ die Ablösung vom Elternhaus zum Thema hatte, wendet sie sich danach einer Lebensphase zu, die ebenso wie die Ablösung vom Elternhaus jeden irgendwann trifft: Die Freiheit und die Sehnsucht nach Ferne. Als Motive wählt sie Schiffe, Yachten, Autos und Motorräder, deren Ästhetik sie hochleben lässt. Sie wirken oft  wie Werbeplakate früherer Zeiten und entlarven damit vielleicht den schönen Schein der Dinge.

Ähnlich ist es bei Schüles Interieurs und Stillleben. Auch hier fasziniert die Ästhetik. Wir kennen alle die schicken Caféhäuser, Bars und Lounges, deren besonderen Stil wir doch zumeist schätzen. Verstörend wirkt nur, dass die von Schüle gezeigten Räume menschenleer sind. Trotz der realen Darstellung wirken sie der Wirklichkeit enthoben. Die verwendeten Blau-, Grün- und Violetttöne verstärken diesen Eindruck. Es entstehen durch die verlasen wirkenden Räume und beiläufig platzierte Dinge wie Peitschen, Handschellen und Messer narrative Momente, die die Phantasie des Betrachters anregen. Was ist in diesen Räumen passiert, bevor sie verlassen wurden? Ein Kritiker sprach von magischem Realismus, die die Bilder ausstrahlen.

Auch dem alt hergebrachten Sujet Stillleben gewinnt Dorothea Schüle neue Seiten ab. Sie wirken durch die verschiedenen Perspektiven, in denen sie gemalt sind, die benutzten Farben und eine besondere Stilistik frisch und modern.

Kurz und gut: Dorothea Schüle ist eine Malerin, die es lohnt, ihre Sicht der Dinge kennenzulernen.

Andreas Meistermann

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