You are here
Thema Kunstkritik BLOG Buch Reviews 

Thema Kunstkritik

Gelungene Streitschrift über den Umgang mit der Kunst. 

Es ist schon eine erstaunliche Sache mit der Kunst. Eigentlich verbindet sich damit der Gedanke der Freiheit, Friedrich Schiller hat sie ein Kind der Freiheit genannt, Und aus der Kunstgeschichte ist bekannt, wie Künstlerinnen und Künstler sich der Konventionen der Gesellschaft erwehren mussten, um eigene Gedanken zu entwickeln, verfestigte Meinungen über das Schöne, Wahre und Gute zu hinterfragen und Neues zu schaffen. Die aktuelle Realität des Umgangs mit der Kunst zeigt aber das genaue Gegenteil. Vor diesem Hintergrund hat die Journalistin und Autorin Nicole Zepter 2013 das Buch „Kunst hassen – eine enttäuschte Liebe“ im Klett-Cotta-Verlag veröffentlicht.

In ihrer Polemik nimmt sie sich alle zur Brust, die im Bereich Kunst an verantwortlicher Stelle tätig sind. Nicole Zepter spricht von einer Kunstmafia, bestehend aus Galeristen, Museumsleitern, Künstlern und Presse, die autokratisch darüber bestimmen, was Kunst ist. Die Ausstellungen insbesondere von zeitgenössischen Künstlern sind nach ihrer Auffassung auf die Passivität des Zuschauers nach dem Motto „Sehen, staunen, nichts begreifen“ ausgerichtet. Der Zuschauer wird zur widerspruchslosen Anbetung der Kunst genötigt.

Nicole Zepter vermisst eine Vermittlungskultur, die auf Augenhöhe zwischen Kunst und Betrachter angelegt ist. Stattdessen sieht sie den schon erwähnten elitären Klüngel einer Kunstmafia, die jeden ausschließt, der es wagt, kritische Fragen zu stellen.

Deutliche Kritik übt die Autorin auch an vielen zeitgenössischen Künstlern wie Jenny Holzer (Anmerkung: Ähnliches gilt auch für Ai Wei Wei), der sie die Verbreitung politischer Platitüden unterstellt, oder Carsten Höller, der Rentiere, Vögel und Mäuse in einem Museum präsentiert, in dem übernachtet werden kann, was auch zum Ausstellungskonzept gehört und bei Nicole Zepter die Frage aufwirft: Was soll das?

Als konkretes Beispiel für ihre Kritik nennt sie unter anderem den Hamburger Bahnhof Berlin und ihren Leiter Prof. Dr. Blume, der für sich in Anspruch nimmt, einer der Experten zu sein, der dem Publikum das Werk eines Künstlers erklärt, das aus sich selbst heraus nicht zu verstehen ist.

Und was am Schlimmsten ist: Es gibt keine Diskussion mehr darüber, was Kunst ist oder nicht. Die Flut der künstlerischen Produktion und die Vielfalt der verwendeten Techniken und Medien scheint dies nach Nicole Zepters Erfahrung sehr schwierig zu machen, was ihrer Auffassung aber vor allem daran liegt, dass es den Kunstkritikern an Mut fehlt, ihre Meinung auch gegen Widerstand kundzutun.

Obwohl Nicole Zepter in ihrem Buch mit ihrer Kritik etwas überdreht und auch ungerecht ist, trägt sie zu einer Belebung der Diskussion über die Kunst bei.

Nicole Zepter: Kunst hassen – eine enttäuschte Liebe
ISBN9783608503074

Andreas Meistermann

Related posts

Leave a Comment

Interessante WebSeite? Bitte weitersagen !!