You are here
Annäherung an die Kunst BLOG Buch Reviews 

Annäherung an die Kunst

Günther Oberhollenzer „Von der Liebe zur Kunst“ 

Viele Gedanken hat sich der ehemalige Leiter des Essl-Museums, Ausstellungsmacher und Autor Günther Oberhollenzer, zum schwierig gewordenen Umgang mit der Kunst gemacht. In seinem Buch „Von der Liebe zur Kunst“ gibt er Einblicke in seine Tätigkeit als Museumsleiter und Ausstellungsmacher und versucht, Verständnis gerade auch für die moderne Kunst zu schaffen. Dabei übt er deutliche Kritik an vielen seiner Kollegen, denen er zu große Abgeklärtheit und Überheblichkeit vorwirft. Statt Leidenschaft, Hingabe und Offenheit vermag Oberhollenzer nur behauptete Objektivität und Unfehlbarkeit zu erkennen. Beispielhaft brachte er folgendes Zitat: „Jedes Bild stellt eine komplexe, oft heterogene Bildkonstellation vor, wobei in der Wahrnehmung der Gesamtstruktur gleichzeitig mit den assoziativen Verbindungen, mit der metaphorischen Ausbreitung der Bedeutungsebenen und mit den malerischen Konkretisierungen der jeweiligen visuell-plastischen Konstellation operiert wird. Je malerisch konkreter eine bildimmanente Situation wirkt, desto besser kann der Rezipient die visuell-plastische Konstellation innerhalb eines malerischen Konventionssystems verstehen, desto transparenter und definierter wirken die Komposition und ihre narrative Botschaft, und – paradoxerweise – umso mehr freier Raum bleibt für die enigmatischen, verwirrenden, rätselhaften Andeutungen und Konnotationen, welche eine unkontrollierbare, unbeeinflussbare Ausbreitung der poetischen Andeutungen und allegorischen Vergleiche ins Leben rufen.“

Der Autor plädiert für eine neue Herangehensweise an die Kunst, die einen subjektiv-emotionalen Ansatz hat. Er ist der Auffassung, dass es keine in Stein gemeißelten Regeln gibt, um einen Zugang zur Kunst zu finden. Nach Oberhollenzers Meinung gibt es Grenzen der Objektivierbarkeit von Kunst, die auch nicht sofort komplett verstanden werden muss. Viel wichtiger sind für ihn, Neugier, Mut und Leidenschaft, sich mit Kunst auseinanderzusetzen.

Als Beispiel einer Annäherung an das Verstehen eines künstlerischen Werkes nennt er den Besuch des Künstlerpaares Neo Rauch und Rosa Loy in ihrem Atelier, bei dem die beiden bereitwillig Auskunft über ihre Bilder gaben, ohne dass damit alles erklärt ist.

Im Bezug auf das Thema der Vermittlung von Kunst fühlt sich Oberhollenzer der Aufgabe verpflichtet, die Menschen auf Augenhöhe anzusprechen, das Gespräch zu suchen und nicht vermeintlich ultimative, unumstößliche Urteile abzugeben. Für ihn als Museumsleiter und Kurator stellte es kein Problem dar, zuzugeben, dass er nicht alles erklären kann und Dinge offenbleiben müssen.

Was Oberhollenzer auch als sehr wichtig ansieht, ist, dass nicht jeder Hype um einen gerade angesagten Künstler mitgemacht werden muss. Er fordert dazu auf, Künstler und Kunstwerke nicht als heilige Kuh zu betrachten, sondern sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen und auch eine eigene Meinung nicht zu scheuen, selbst wenn viele wichtige Vertreter der Kunstbranche anderer Meinung sind.

In weiteren Kapiteln seines Buches beschäftigt sich der Autor mit den vielfältigen Tätigkeiten eines Kurators, gibt Erläuterungen zur Kunst im Allgemeinen. Dabei gelingt es ihm, den interessierten Leser für die Kunst zu gewinnen und ihm deutlich zu machen, welche Schätze sie anzubieten hat.

Schade nur, dass sein Buch ohne Illustrationen gestaltet ist, die vielleicht noch deutlicher gemacht hätten, was er mitzuteilen hat. Trotzdem eine empfehlenswerte Lektüre.

 

Andreas Meistermann

Related posts

Leave a Comment

Interessante WebSeite? Bitte weitersagen !!