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Thema Kunstkritik (II): Wort und Kunst BLOG Reviews 

Thema Kunstkritik (II): Wort und Kunst

 Passen Wort und Kunst zusammen?

Ein Unterhaltsamer Abend zur Kunstkritik

Mit der Frage, wie Wort und Kunst zusammen passen oder einfach nicht zueinander kommen, beschäftigte sich vor Kurzem eine Veranstaltung, zu der der Kunstverein Nordhorn in das Kloster Frenswegen eingeladen hatte. Anlass war unter anderem der bei vielen Eröffnungen von Ausstellungen insbesondere moderner Kunst festzustellende Eindruck, dass sich die Kunstkritik einer Sprache bedient, die von einem großen Teil des Publikums nicht mehr verstanden wird und auch mit dem Gegenstand der Betrachtung nicht viel zu tun hat. Nach der Begrüßung der Gäste durch Gerald Nierste, erster Vorsitzender des Kunstvereins Nordhorn, und Pastor Reiner Rohloff von der Studienleitung des Klosters Frenswegen stieg Moderator Martin Liening mit vielen unterhaltsamen und informativen Beispielen in das Thema ein.

Er kritisierte in seinem Beitrag unter anderem hochtrabende und missverständliche Begriffe wie Kurator, kuratieren, raumgreifende Skulpturen, Arbeiten und Positionen. Das Wort kuratieren, so Liening zu einem der genannten Beispiele, stehe zunächst schlicht für auswählen, und der Kurator sei damit ein Mensch, der auswähle. Inflationär finde sich bei vielen in der Kunstbranche Tätigen der Begriff Kurator, hinter dem sich manch Geheimnisvolles zu verbergen scheine. In Wirklichkeit sei es lediglich eine Person, die Kunstwerke auswähle, die in einer Ausstellung gezeigt würden. Weitere Aufgaben kämen dazu, die mit organisatorischen und technischen Dingen zu tun haben. Aber die gebe es in anderen Bereichen auch.

Ein Beispiel für eine Kunstkritik,  die sich in einem verbalen Nirwana zu verlieren scheint und in der der Bezug zwischen Wort und Gegenstand verloren geht, nannte Gerald Nierste. Er zitierte aus einer Kritik über ein abstraktes Werk österreichischen Künstlers Hubert Scheibl, das per Beamer auf Leinwand zu sehen war: „Paludium, der Sumpf ist das Synonym für die Unsicherheit von Grenzziehungen, das Aufspüren von trügerischer Tragfähigkeit und das Wandern im vagen Terrain. Grenzen, feste Ränder haben keine Gültigkeit mehr, wenn sich feste Strukturen auflösen und massive Materie abbricht, wenn Grundwasser aufsteigt und Sickerungen die Erde auflösen… Scheibls Duktus ist von ausgreifender Vehemenz, unkorrigierbar im Erfassen, entschieden im Beschreiben und dynamisch im Durchpflügen der Oberfläche.“ Mit dieser Beschreibung konnte keiner aus dem Publikum etwas anfangen.

Nach diesen Beiträgen wurde das Publikum in die Veranstaltung mit einbezogen. Freiwillige wurden aufgerufen, einen Kreis zu malen. Nach einer Pause wurden die Werke einer „Kunstkritik“ unterzogen, die viel kreativen Raum ließ, zum Nachdenken anregte und für Spaß sorgte. Für Erstaunen sorgte, was sich in einen Kreis so alles hineininterpretieren lässt.

Der musikalische Rahmen der Veranstaltung wurde von dem Gitarristen Arno Heilgenberg gestaltet.

Andreas Meistermann

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