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DER KUNSTVEREIN NORDHORN E.V. BESUCHT …

… die Max Beckmann-Ausstellung (Kunsthalle Bremen). 

Der Tanz auf dem Vulkan.

Mit Max Beckmann stellt die Kunsthalle Bremen bis Februar 2018 einen der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus aus. In seinen Werken wird noch einmal die bunte, verrückte,  bedrohliche und zerstörerische Welt insbesondere der 1920er und 1930er Jahre deutlich, die in Deutschland zum einen vom Ersten Weltkrieg und der chaotischen Weimarer Republik geprägt war, zum anderen von der mörderischen Herrschaft des Nationalsozialismus und des nachfolgenden Zweiten Weltkriegs.

Thematischer Schwerpunkt ist die bunte und schillernde Welt der Theater, Varietés und Zirkusse. Beckmann geht es bei seinen Bildern aber nicht nur um die einfache Wiedergabe der Motive von Schauspielerinnen, mondänen Etablissements oder Bühnengeschehnissen. Es verbirgt sich dahinter ein symbolhafter Blick auf das Weltgeschehen, das von dramatischen Umbrüchen gekennzeichnet ist. Der Schriftsteller und Mäzen Stephan Lackner sprach von Welttheater. Der Maler selbst wird zum Regisseur des Geschehens. Allerdings nur in künstlerischer Hinsicht. Die eigentlich wirklichen Regisseure des Geschehens, die Mächtigen der damaligen Zeit, bleiben verborgen

Was Beckmann zeigt ist inhaltlich extrem aufgeladen. Das wird unter anderem beim weltbekannten Tryptichon „Schauspieler“ deutlich, das einen zentralen Platz in der Ausstellung einnimmt. Es verbindet die mystische Ruhe des Altarbildes mit der schreienden Stille des Traums beziehungsweise Albtraums. Damit setzt er eine Entwicklungslinie fort, die in Mitteleuropa nach der Spätgotik abgerissen war. Grünewalds Isenheimer Altar zählte zu den prägenden Erlebnissen des jungen Beckmann. Dessen christliche Figuren ersetzte er durch heidnische, die Engel durch Varietémusiker, die biblischen Teufel durch die Folterknechte seiner Zeit. Auf der linken Seite der „Schauspieler“ spricht Judas beispielsweise mit einem Soldaten. Zwischen die beiden hat der Maler eine Marienfigur und dahinter, verdeckt, einen Jesuskopf gesetzt. Der Zeitbezug der Szene ist mühelos lesbar. Das Triptychon entstand 1941/42 in Amsterdam, wo der Maler unter deutscher Besatzung lebte. Die Denunziation war der tägliche Albtraum des Emigranten. Wohin sich Beckmann sehnte, verrät die Skizze eines Mannes, der unter der Judasfigur kauert. Er liest die „New York Times“.

Die Nacht (1918/1919)

Andreas Meistermann

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